Warten vor dem Schultor. Aufgeregte Kinder schwirren umher wie ein Bienenschwarm. Lehrerinnen halten Schilder mit Klassenbezeichnungen hoch: Erster Schultag am Montag für 360 Sprottenschüler am Wulfsteert. Egal ob zweiter, dritter, vierter Jahrgang – zur Sprottenschule ging bislang noch kein Kind in Eckernförde. Die Zusammenlegung zweier Grundschulen ist vollzogen. „2b“ steht auf einem der großen gelben Schilder. Und natürlich prangt der Umriss einer Sprotte darüber.

Eine der 16 Klassenlehrerinnen schwenkt das Plakat über die Köpfe. Prompt traben aufgeregte Zweitklässler und Eltern an. Dass die quirligen silbernen Fischchen, die mehr als Symbolcharakter für eine Stadt mit Fischereigeschichte haben, in der jetzt größten Grundschule des gesamten Kreises überall präsent sind, versteht sich. An blau umwickelten Bögen, geschmückt mit blauen und weißen Luftballons, baumeln Sprotten aus Holz. Eine der drei Bäckereien (Makoben, Dallmeyer, Günther), die gleich ein Pausenfrühstück auf dem Hof spendieren, hat seine Brötchen sogar zu Sprotten geformt.

Das kann ja alles gut werden. „Und dass heute die Sonne lacht, ist ein gutes Omen für eure Schule“, sagt Bürgermeister Jörg Sibbel voraus. Noch ist der große symbolische Schulschlüssel allerdings in seinem Besitz. Ein paar Minuten noch. Eine strahlt besonders: Schulleiterin Heinke Marquardt. Kartons packen, Umzug, Unterricht „am außerschulischen Lernort“, weil Inventar und Mobiliar schon auf den Umzugswagen standen – all das hat das Kollegium, haben die Schüler und ihre Eltern, der Hausmeister, die Erzieher prima gewuppt. Kein einfacher Akt.

Heinke Marquardt und Jörg Sibbel

Strahlend nimmt Schulleiterin Heinke Marquardt den symbolischen Riesenschlüssel aus der Hand von Bürgermeister Jörg Sibbel an.
Foto: Cornelia Müller

Immerhin mussten die 240 Kinder der zehn Grundschulklassen im Schulzentrum Süd ihre geliebte Gorch-Fock-Schule ganz aufgeben. Und die 120 Kids aus sieben Grundschulklassen der Albert-Schweitzer-Schule sollten nach Zusammenführung aller Gemeinschaftsschüler in der Gudewerdtschule auf einmal eine „Minderheit“ darstellen. Ob sie sich auf ihre Sprottenschule freuen, wissen ein paar Jungen aus der neuen 4a „noch nicht so genau“. Eine Mutter hat die Erklärung: „Es wurde anfangs kontrovers diskutiert, das hat sich auf die Kinder übertragen. Aber das wird jetzt schon werden.“ Dann ist die Skepsis mit einem Schlag verflogen.

Heinke Marquardt nimmt den riesigen Schlüssel aus Sibbels Hand an, hält ihn hoch. „Hier ist etwas Tolles entstanden!“, ruft sie. „Und ihr Kinder und einfach alle haben daran so viel mitgewirkt. Bald bekommen wir auch noch eine superschöne Halle mit Glasdach für Feste, Projekte und mehr. Heute ist nur ein Auftakt.“ Strahlend und stolz stürmen die Kinder jetzt durch Sprottenbögen in ihre neuen Räume. Irgendwie ist alles noch einmal wie Einschulung. Dabei kommen die Erstklässler doch erst Mittwoch.

Von Cornelia Müller